Die Moswinkel´s

 

Der gläserne, unmündige Mensch – oder wie Maschinen unser Leben auswerten und steuern.

Wie ist das zu verstehen?

Mir ist es erst aufgefallen, als ich ein Autoersatzteil bei einem Internetshop, bei dem ich schon einige Jahre Kunde bin, auf Rechnung bestellen wollte. Diesmal wurde mir der „Kauf auf Rechnung“, verweigert und um „Vorkasse“ gebeten.

Ein Fehler in der Software des Unternehmens? Habe ich etwas falsch gemacht? Nach einem Anruf von mir beim Kundencenter des Unternehmens, teilte mir ein Mitarbeiter mit, dass aufgrund meines Kaufverhaltens nur „Vorkasse“ möglich sei. Meine Frage, ob ich eine Rechnung unpünktlich bezahlt hätte wurde verneint, es wäre bisher alles korrekt gelaufen, aber der Internetshop arbeite seit einiger Zeit mit einer Auskunftei zusammen, die über Algorithmen ermitteln, ob der Kunde generell ein Risiko birgt, wenn er etwas bestellt. Und ich bin dort durchgefallen – die Maschine hat mich als „bedenklich“ aussortiert!!!

Diese Haltung des Internetshops hat mich tief getroffen und ich habe überlegt: „Was kann ich machen?“

Also habe ich angefangen „Selbstauskünfte“ von Auskunfteien über mich zu erfragen: „Wer bin ich?“ Offensichtlich wissen Auskunfteien mehr über mich als ich selbst!

Übrigens, jeder Bürger kann pro Jahr bei der jeweiligen Auskunftei eine Selbstauskunft gebührenfrei anfragen. Das ist nach dem §34 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) gesetzlich geregelt, und diese Selbstauskunft darf nicht verweigert werden.

Die erste Auskunftei bei der ich anfragte und eine der größten ist die „SCHUFA“. So habe ich online einen Antrag auf „Selbstauskunft“ gestellt. Dazu muss Mann oder Frau ein Formular ausfüllen (z.B. mit Adobe-Reader, pdf24 oder ähnliche) und dann Kopien vom Personalausweis mit Vorder- und Rückseite Hochladen. Nach einigen Wochen erhält man dann auf dem Postweg die schriftliche „Selbstauskunft“ und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

An Hand dieser „Selbstauskunft“ kann dann geprüft werden, ob die dort gespeicherten Daten stimmen. In meinem Fall war noch eine Uraltanschrift gespeichert, die schon fast zwanzig Jahre nicht mehr gültig war.

Weiter werden z. B. Daten darüber gespeichert, bei welchen Banken Konten oder Kredite bestehen. Das alles fließt dann in die „Bonitätsnote“ ein, außerdem wird noch ein so genannter „Basisscore“ errechnet. Der Basisscore zeigt an, wie zahlungswürdig jemand nach Einschätzung der Auskunftei ist. Der Basisscore hat eine Skala von 250 - 600. 600 ist der beste Wert, ihn erreicht aber in der Regel niemand. 

Außerdem wird über dieses „mathematisch-statistische Verfahren“ ein „Branchenscore“ errechnet, die dann an Unternehmen weiterverkauft werden, z. B. an Banken, Autovermieter, Telefonanbietern oder wie in meinem Fall, an einen Kfz-Teile-Shop.

Das Problem dabei: Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher sind den Auskunfteien - allen voran die Schufa – gnadenlos ausgeliefert, weil der „Ausgespähte“ selbst keinerlei weiteren Einfluss auf die Datenermittlung-, Berechnung und Speicherung hat. Sie verlassen sich gezwungenermaßen blind auf dieses Urteil. Die Auskunfteien müssen nicht offen legen, wie sie die Bonitätsnote errechnen und warum die so ausfällt, wie sie ausfällt. Das ist alles ihr Betriebsgeheimnis. Das hat leider auch der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil entschieden.

Nach meinen bisherigen Erkenntnissen, fließen weitere Daten in diese Scorewerte mit ein.

Z. B.: Welche Hautfarbe habe ich? Wo bin ich geboren? Welchem Geschlecht gehöre ich an? Bin ich Rentner oder noch berufstätig (Soziodemographische Daten)? Welche politische Gesinnung habe ich? In welchem Wohnort lebe ich (Geoscoring)? Wie sind meine Kauf- und Essgewohnheiten (durchschnittlicher Warenkorbwert)? Zahlungsinformationen zum Wohnungsumfeld (Zahlungsmoral meiner Nachbarn: Zahlen sie ihre Rechnungen pünktlich? Wenn nicht, bekomme ich einen schlechteren Scorewert!!!). Usw, usw. 

Zu dieser ganzen Problematik passt auch der ZDF-Beitrag vom 28.11.2018

https://www.zdf.de/dokumentation/unheimliche-macht---wie-algorithmen-unser-leben-bestimmen-102.html

Folgende Auskunfteien sind mir bisher bekannt:

SCHUFA Holding AG, Postfach 102 166, 44721 Bochum

Infoscore Consumer Data GmbH, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden

Infoscore gehört zum Arvato-Bertelsmann Konzern.

Creditreform Boniversum Gmbh, Hellersbergstr. 11, 41460 Neuss

CRIF Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Abt. Datenschutz, Gasstraße 18, 22761 Hamburg

Deltavista GmbH, Datenschutz, Kaiserstr. 117, 76133 Karlsruhe

CS Connect GmbH &Co. KG, Postfach 19 60, 65009 Wiesbaden

(CS-Connect sammelt Daten über frei berufliche und gewerbliche Tätigkeiten und verkauft diese weiter.)

Precire Technologies GmbH, Charlottenburger Allee 40, 52068 Aachen

(Sprachanalyse durch künstliche Intelligenz)

Palantir - Analysesoftware der CIA, die auch beim hessischen Innenministerium Verwendung findet. Wo die Daten bleiben, weiß keiner so genau.

payolution GmbH, Am Euro Platz 2, 1120 Wien. 

GFKL PayProtect GmbH, Am Europa-Center 1b, 45145 Essen.

Acxiom Deutschland GmbH, Martin-Behaim-Str. 12, 63263 Neu-Isenburg.

ancestry.com - mit Niederlassung in München, sammeln Speichelproben um Verwandtschaftsverhältnisse und Übereinstimmungen mit ihrer Datenbank abzugleichen. Wer aber noch Zugang zu diesen sensiblen Daten erhält ist unbekannt.

Schober Direct Media GmbH + Co. KG, Sophienstr. 40, 70178 Stuttgart (Ein Adressensammler und ein Unternehmen der Otto-Group).

adpublisher AG, Industriering 3, FL-9491 Ruggell (Sammeln Daten und führen Adressenabgleichs durch).

AZ Direct GmbH, Carl-Bertelsmann-Straße 161 S, 33311 Gütersloh.

Digitalisierung – das Lieblingswort unserer Politiker. Aber haben sie überhaupt eine Ahnung was das wirklich bedeutet? Ich denke nicht, sonst hätten sie bereits vor etlichen Jahren die Datenerfassung, die Datenanalyse und die Datenspeicherung eindeutig durch entsprechende Gesetze europaweit, besser wäre weltweit, geregelt.

Das jetzige Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist ein Flickenteppich mit scheunentorbreiten Lücken.

Hier gibt es weitere Infos:

https://www.test.de/Auskunfteien-Nach-den-eigenen-Daten-fragen-1857247-1858283/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schufa-so-funktioniert-deutschlands-einflussreichste-auskunftei-a-1239214.html

https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/presse/auskunfteien-arbeiten-intransparent

https://www.verbraucherzentrale.nrw/pressemeldungen/presse-nrw/auskunfteien-massenhafte-bonitaetsabfragen-im-internet-9031

https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/digitale-welt/datenschutz/scoring-mit-kundendaten-so-verlangen-sie-auskunft-bei-schufa-co-12756

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/schufa-und-co-was-auskunfteien-ueber-verbraucher-wissen/11624756.html

https://www.vzhh.de/themen/finanzen/was-ist-scoring

https://www.computerbild.de/artikel/cb-Aktuell-Schufa-Co.-Auskunfteien-in-der-Kritik-15822913.html 


Dieser Link der Verbraucherzentrale Niedersachsen weist auf weitere „Schwarze Schafe“, wie z. B. Fakeshops hin:

https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/vorsicht-falle 

Siehe auch hier:

https://digitalcourage.de

 


  


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